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Bis ins kleinste Detail

Das Leben in Lagavulin heute

Vielleicht denken Sie, dass das Leben in Lagavulin heute einfach ist. Wie man den  Geschichten aus vergangenen Zeiten entnehmen kann, war die Herstellung von Whisky damals eine Sache für echte Männer. Es gab Tage harter körperlicher Arbeit: Gersten- und Kohlensäcke wurden gehoben, das Feuer unter den Brennblasen entfacht und geschürt, Brennblasen betreten und gereinigt und mit dem bloßen Auge beurteilt, ob alles bereit war. 

Heute denkt man, dass in den Destillerien alles computergesteuert ist, mit einer kleinen Crew von Männern und Frauen, die Hand in Hand arbeiten. Maschinen verladen die Gerste, reinigen die Brennblasen und heben die Fässer. Lastwagen transportieren die Gerste und Tanker bringen den kostbaren Whisky von Islay zu den Abfüll- und Lagerstätten.

Das Problem ist nur, dass es nicht einfach ist, wenn man eine 200jährige Tradition bewahren möchte, aber weniger Personal hat. Wenn die Nachfrage in der Welt größer ist als die Produktionsmenge und man auf keinen Fall von seinen Standards abweichen möchte. Und wenn man selbst kleinste Details sorgfältig überlegen muss, was früher so nicht notwendig war.

Früher, so sagt man, haben die Männer (und es waren damals alles Männer, Männer sind eben Männer…) während der Arbeit so manchen Schluck zu sich genommen. Heute nicht mehr. Aber eines hat sich nicht verändert. Es ist die Art und Weise, wie die Inselbewohner zusammenhalten und aufeinander Rücksicht nehmen. Damit kann man eine Menge erreichen und das geschieht auch.

Der Beweis für diesen Zusammenhalt ist schnell erbracht. Als Außenstehender merkt man schnell, dass kein Bewohner von Islay etwas erzählen würde, womit er einem anderen – nennen wir ihn Freund, denn hier ist jeder mit jedem befreundet – nur ansatzweise schaden könnte. Das gilt auch für den Umgang der Inselbewohner mit Geheimnissen, die man für sich behalten sollte. Warum? Man weiß, dass man keinem auf Islay etwas erzählen kann, weil es auf der Insel sofort die Runde macht. Aber wir schweifen gerade vom Thema ab. Wir haben darüber gesprochen, wie man Verbesserungen vornehmen kann, wenn man im 200. Jubiläumsjahr nach der Gründung eine goldene Tradition bewahren muss.

Fragen Sie Georgette Crawford (für alle Georgie), die seit fast sechs Jahren hier Destillerie-Managerin ist. „Die größte Herausforderung, die wir in der Destillerie haben”, sagt Georgie „besteht darin, dass die Nachfrage nach Lagavulin stets höher ist als das Produktionsvolumen, das wir mit unseren Gebäudeflächen und unserem Verfahren, erzielen können.”

Sie kann stolz darauf sein, dass ihr Team seit sie dort tätig ist, Jahr für Jahr mehr Lagavulin produziert – mit Ausnahme eines Jahres, das eigentlich nicht zählt, denn damals wurden während einer etwas längeren „ruhigen Phase” (Silent Season) ziemlich umfangreiche Wartungsarbeiten durchgeführt.

In all diesen Jahren bestand das wichtigste Ziel für das Team darin, möglichst viele Fässer herzustellen, um die künftige Lieferfähigkeit zu verbessern. Aber wir müssen uns um die Qualität keine Sorgen machen. Es geht nicht darum, einen Schokoriegel zu verkleinern oder die Qualität der Zutaten zu reduzieren. Alle Bemühungen drehen sich um den merkwürdig klingenden Fachbegriff: „Optimierung“.

Georgie nennt ein einfaches Beispiel dafür, wie man bereits mit einer kleinen Veränderung messbare Ergebnisse erzielen kann: „Wir haben die Menge im Maischebottich (bei jeder Maische) um jeweils 80 Kilogramm aufgestockt und in diesem Jahr eine zwei- bis dreiwöchige Produktionsmenge hinzugewonnen…“ Nach meiner Rechnung ergibt das in der „ruhigen Phase“ (Silent Season) ungefähr 4-5%.

Zu den weiteren Schwerpunkten zählte ein großes Projekt, das sich mit Dampfverlusten im Brennhaus beschäftigte. Aus Gesundheits- und Sicherheitsgründen muss jeder Behälter im Brennhaus eine Entlüftung ins Freie haben. Aber das bedeutet auch, dass bestimmte Teile im Prozess, wie der Lagavulin selbst, in die Atmosphäre abgegeben werden – eine ganz neue Form der Verteilung des „Angel’s Share“ (Anteil der Engel). Und das konnte man wirklich riechen. Das Team widmete sich also dem Belüftungssystem und den Rohrleitungen.

Das positive Ergebnis ist, dass wir jetzt jährlich rund 75.000 Flaschen Lagavulin, die früher verlorengingen, hinzugewinnen und genießen können. Bei einem solchen Zuwachs ist es nicht verwunderlich, dass das Projekt weiterläuft!

Wenn es um Verbesserungen bis ins kleinste Detail geht, gilt das natürlich nicht nur für die Spirituose selbst. Drüben im Besucherzentrum hat Marjory Orr Jahr für Jahr immer mehr Besucher. Auch das, was sie hören wollen, ändert sich mit der zunehmenden Bekanntheit des Lagavulin. Die Gäste kommen aus der ganzen Welt und wollen bis ins kleinste Detail über die Brennblasen und die Menschen, informiert werden.

In den 18 Jahren, in denen Marjory für Lagavulin arbeitet, ist die Besucherzahl von vielleicht 4.000 im Jahr auf das Vier- oder Fünffache gestiegen. Bei dieser Zahl, sagt sie „Muss man einfach mit Leidenschaft dabei sein. Wenn man nicht gerne mit Menschen zu tun hat, ist das der falsche Job.“

Ein anderer Mitarbeiter, der seine eigene Leistung weiterentwickelt und verbessert hat und die Begeisterung der Besucher teilt, ist der Lagerverwalter Iain MacArthur. Er ist seit 45 Jahren im Whisky-Geschäft auf Islay tätig, zunächst bei Port Ellen und dann bei Lagavulin. Keine Frage der Besucher scheint diesem freundlichen, witzigen und geduldigen Mann zu überfordern, der die Wärme eines Inselbewohners ausstrahlt. Er sagt „It's nice to be nice, isn't it?” Und wir waren nett. Wir haben die Gäste herzlich begrüßt und waren freundlich zu ihnen und sie kamen immer wieder.

All diesen Leuten und anderen im Team geht es nicht darum, die Arbeit genauso oder anders zu machen. Es geht darum, die Arbeit so zu machen, dass sie etwas bewirkt. Stück für Stück, Tag für Tag.

Hier kann man leicht eine Parallele zu den britischen Erfolgen bei den Olympischen Spielen in Rio erkennen. Dass wir weiter auf dem Niveau der Spiele von 2012 in London sind, ist nicht auf einen einzigen großen Sieg zurückzuführen, sondern auf eine Reihe von Optimierungen – von der Ernährung des Athleten bis zur Form des Fahrrad-Helms. Lagavulin ist mehrfacher Goldmedaillen-Gewinner. Um weiter an der Spitze zu stehen, ist harte Arbeit erforderlich.